Fußball: Interview mit Olaf Alsdorf, der nicht mehr als Aalener Schiedsrichterobmann zur Wahl stehen wird
Nach neun Jahren an der Spitze der
Schiedsrichtergruppe Aalen wird sich Olaf Alsdorf bei der
Hauptversammlung am Freitag, 27. Januar im „Goldenen Lamm“ in
Rainau-Schwabsberg nicht mehr zur Wahl stellen. Im Interview erklärt
Alsdorf, warum er Aalen den Rücken kehren will.
In den vergangenen drei Jahren haben zahlreiche
Krisen das Schiedsrichterwesen im Deutschen Fußball-Bund schwer
erschüttert. Man denke nur an die Affäre Amerell/Kempter oder an den
Selbstmordversuch von Babak Rafati. Wie nimmt man das auf unterer Ebene
wahr, Herr Alsdorf?Alsdorf: Nicht nur in der Beletage des
Fußballes, sondern auch in den unteren Klassen, in denen wir Woche für
Woche unserem Hobby nachgehen, sind wir Schiedsrichter einem enormen
Druck ausgesetzt. Beleidigungen, Bedrohungen und sogar
Handgreiflichkeiten sind mittlerweile leider zur Normalität verkommen.
Es bereitet deshalb immer mehr Probleme, geeignete Kollegen zu finden,
die diesem Druck standhalten. Ein Umdenken aller am Spiel Beteiligten,
also von den Spielern, Trainern, Betreuern, Zuschauern bis hin zu den
Eltern der Jugendspieler muss künftig in den Fokus der Bemühungen
rücken. Ansonsten sehe ich schwarz für die Zukunft.
Pikanterweise
gab es im Fußballbezirk Kocher-Rems ebenfalls in den vergangenen drei
Jahren eine erhebliche Unruhe, die Sie schließlich veranlasste, Ihre
Funktion als Obmann der Bezirksschiedsrichter niederzulegen. Ist da
etwas hängen geblieben, dass Sie nun in Aalen zurücktreten lässt?Nein,
überhaupt nicht. Aus den Auseinandersetzungen mit den Heidenheimer
SR-Obmännern Joachim Nick und Roland Baamann habe ich die Konsequenzen
gezogen, das ist vorbei. Mein jetziger Entschluss ist keine Entscheidung
gegen Aalen, sondern für eine neue Herausforderung auf Verbandsebene.
Und die wäre?Der
designierte Verbandsschiedsrichter-Obmann Guiseppe Palilla ist für den
Wechsel in den WFV-Ausschuss verantwortlich. Dort soll ich in der
Funktion als Beisitzer für die Gewinnung und Erhaltung der
Schiedsrichter in den 14 WFV-Bezirken und 41 SR-Gruppen tätig sein. Im
ersten Moment habe ich mich gegen den Wechsel ausgesprochen, denn mit
der Aalener SR-Gruppe war und bin ich ja sehr zufrieden.
Was gab den Ausschlag für Ihre Meinungsänderung?Palilla
und ich kennen uns schon lange. Offensichtlich haben ihm einige meiner
Ideen gefallen. Etwa die von speziell gekennzeichneten Trikots der
Schiedsrichter-Neulinge. Das könnte sogar ein Modellprojekt in unserem
Bezirk werden – damit der Fan merkt: „Aha, das ist ein Neuer, da müssen
wir uns mit Kritik zurückhalten“. Denn über eines sollten wir uns im
Klaren sein: Theorie und Praxis sind zwei Paar Stiefel. Wenn ich 50
Schiedsrichter ausbilde, ist danach in den ersten zwei Jahren die Hälfte
wieder weg, Wegen Beleidigungen, sozialer Missachtung und dergleichen
mehr bei Fans, in Vereinen und bei Freunden.
Wo und wie könnte man Schwerpunkte setzen?Indem
man die Ausbildungsmodule so ausbaut, dass die Unparteiischen mit
Druck- und Stress-Situationen anders umgehen. Das Interesse der Klubs
für Schiedsrichterbeauftragte ist nicht stark ausgeprägt. Wir müssen
versuchen, mehr in die Vereine zu transportieren. Wir müssen neue Medien
nutzen, auch die Schiedsrichterkollegen mehr ansprechen und die
Betreuung verbessern.
Und wie sieht es in der Schiedsrichtergruppe Aalen aus?Eigentlich
ganz ordentlich. Wir haben in den vergangenen drei Jahren 52
Schiedsrichter ausgebildet und durch Abgänge die gleiche Anzahl
verloren. Insgesamt haben wir einen leichten Zuwachs von fünf auf 205
Schiedsrichter zu verzeichnen. Der Zuwachs bei den Frauen vervierfachte
sich, wenn ihre Zahl auch erst acht Personen ausmacht. Man sieht auch
hier, dass die Anstrengung für den Umstand, damit Schiedsrichter auch
Schiedsrichter bleiben, ebenso groß sein muss wie die für die
Ausbildung.